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Die Schweiz und der Polnische Nationalstaat: Handschriftliches Erbe Mitteleuropäischer slavischer Sprachen in der Schweiz

Im Zeitraum 2024-2025 erprobte das Pilotprojekt, finanziert von der Zürcher Stiftung Empiris, die KI-gestützte Erfassung und Analyse bislang unerschlossener slawischer Manuskripte (16. bis 20. Jahrhundert) aus den Beständen des Polenmuseums Rapperswil. Mit über 600 digitalisierten Seiten wurde der ursprünglich geplante Umfang weit übertroffen. Im Zentrum stand die Evaluation von HTR-Modellen (Handwritten Text Recognition, primär via Transkribus) für polnische und ruthenische Texte. 

Während für das Polnische bereits zufriedenstellende Resultate erzielt wurden, verdeutlichte die Untersuchung der ruthenischen Dokumente – die dem polnisch-litauischen Staatsmann Lew Sapieha (1557–1633) zugeschrieben werden konnten – eine technologische Forschungslücke: Für diese Sprachstufe fehlen bislang spezifische Transliterationsmodelle. Die Analyse legte komplexe Praktiken des Code-Switching und der Biskriptalität (Wechsel zwischen lateinischer und kyrillischer Schrift) offen, die sowohl etablierte philologische Annahmen als auch digitale Erschliessungsstrategien herausfordern. Ein flankierender Erfolg war die Identifikation eines bisher unbeachteten, 450-seitigen russischen Tagebuchs (1918–1921) an der UB Bern, das während eines Kuraufenthalts in der Schweiz verfasst wurde. Die international, unter anderem an der PIASA Annual Polish Studies Conference der Columbia University, positiv rezensierten Ergebnisse dienen nun als fundierte Basis für ein gross angelegtes Folgeprojekt zur digitalen Erschliessung ostslawischer Bestände. Aktuell (Stand: April 2026) befindet sich das Vorhaben in der Phase der Kooperationsverhandlungen zwischen führenden Forschenden und Organisationen in der Schweiz, Schweden und Deutschland.

Technische Tools

  • Transkribus Expert Client
  • ScanTent by Read-Coop

Nutzungsmöglichkeiten

Die Daten werden für das Training ruthenischer Transliterationsmodelle benutzt. Weitere Nutzungsmöglichkeiten bestehen, müssen aber, vor allem ausserhalb des Projekts, mit dem Polenmuseum Rapperswil individuell angesprochen werden.